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Jubiläum mit Hindernissen - Ausfall und Zielflagge

13.06.2003 21:55:44 - 24-Stunden-Rennen Nürburgring 2003
© ts-photo.de

Mit starken Blessuren dennoch ins Ziel: der deformierte BMW M3 E36 gegen Rennende



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Diesmal glücklos: der BMW M3 E46 in der Startphase

Vor 194000 Zuschauern fand am letzten Mai Wochenende das 31. Int. ADAC Zürich 24 Std. Rennen auf der Nürburgring Nordschleife statt. Weit über 200 Fahrzeuge waren für das Zeittraining am Freitag genannt, die Hatz zweimal rund um die Uhr zu bestreiten. Unter ihnen auch die beiden Tischner Bolliden, ein BMW M3 E46 und ein BMW M3 E36. Letzterer sorgte bereits zweimal mit seinen dritten Plätzen in der Gesamtwertung bei vergangenen 24 Std. Rennen für Furore.

Im ersten Zeittraining am Freitag erzielten Michael Tischner / Wilfried Thal / Frank Lorenzo / Matthias Tischner auf dem BMW M3 E46 Position 19 im Gesamt. Ein gelungener Auftakt zum 10-jährigen Jubiläum von Wilfried Thal, für den es das zehnte (!) 24 Std. Rennen in Folge zusammen mit Tischner Motorsport bedeutete.
Kurz vor Beginn des zweiten gezeiteten Trainings ging ein Platzregen mit Hagel nieder und setzte das gesamte Asphaltband des Nürburgrings unter Wasser. Ein um eine Stunde verkürztes und verspätet gestartetes Zeittraining war die Folge, am Ende stand der BMW auf Startposition 20 im Gesamt (Platz 1 in der Klasse A6).
Somit verwirklichte sich der geheime Traum der Tischner Brothers ihren BMW M3 E46 im Training unter den Top 20 zu platzieren. Somit gehörten sie zu den Teams, die von der Rennleitung zu einer Sonderfahrerbesprechung berufen wurden. Die schnellsten 20 Fahrzeuge wurden mit einer blauen Signallampe hinter der Windschutzscheibe ausgestattet, um den langsameren Teilnehmern insbesondere in der Nacht die Geschwindigkeitseinschätzung der nachfolgenden Fahrzeuge zu erleichtern.

Die Schweizer Bruno Baumgartner, Martin Baumgartner und Paul Waser pilotierten wie aus der BFGoodrich Langstreckenmeisterschaft gewohnt den BMW M3 E36. Das Zeittraining verlief problemlos, in dem Bruno Baumgartner die Aufgabe hatte die Trainingsbestzeit zu fahren. Martin Baumgartner und Paul Waser hingegen führten letzte Funktionstests und Verbrauchstests durch. Am Ende reichte es für Startposition 37.

Pünktlich um 14:40 Uhr am Samstag Nachmittag setzte sich die erste von drei Startgruppen mit jeweils 70 Fahrzeugen zur Einführungsrunde zum 24 Std. Rennen in Bewegung. Traditionell standen in der Einführungsrunde abermals hunderte Fans an nostalgischen Streckenabschnitten um die Teilnehmer zu begleiten und letzte Glückwünsche für das Rennen auf den Weg zu geben.

Die Startphase überstanden beide BMW ohne Zwischenfälle und Starfahrer Wilfried Thal kam mit dem BMW M3 E46 in Runde 8 zum Fahrerwechsel an die Box. Frank Lorenzo übernahm den BMW planmäßig. Er kam von Anfang an auf Anhieb bestens mit dem Tischner M3 zurecht und nach weiteren 10 Runden übergab er den M3 an Michael Tischner. Aufgrund der heißen Außentemperaturen entschloss man sich kurzfristig Michael den dritten Stint und Matthias erst den vierten fahren zu lassen. Diese Entscheidung fiel, weil Michael über die größte Kondition des Quartetts verfügte. "Es war brutal heiß im Auto", berichtete Michael nach seinem 10 Runden Stint und scherzte weiter: "Die Fans an der Strecke müssen leckere Sachen gegrillt haben, ich hätte am Liebsten mal angehalten um etwas zu essen und ein kleines Bierchen zu trinken". Er übergab den mittlerweile an Position 13 liegenden BMW an seinen Zwillingsbruder Matthias. Der Boxenstopp war leicht verpatzt, als das Triebwerk des BMW M3 E46 nicht starten wollte. Die Sicherung der Benzinpumpe quittierte ihren Dienst. Die Lokalisierung des Fehlers dauerte wenige Minuten.
Im Streckenpunkt Breidscheid sahen die zahlreichen um die Strecke verteilten Tischner Fans drei Runden später einen plötzlich erlahmenden Tischner BMW M3 E46. "Ich schaltete instinktiv sofort die Ersatzbenzinpumpe ein, doch das löste das Problem des Leistungseinbruches nicht", berichtete ein enttäuschter Matthias später, "Auf dem Display unseres Drehzahlmessers sah ich keine ungewöhnlichen Motorbetriebsdaten, alles schien im grünen Bereich zu sein. Ich funkte an die Box um das Team auf einen unplanmäßigen Boxenstopp vorzubereiten."
Nur noch 4 der 6 Zylinder verrichteten ihren Dienst und nach einer eingehenden Analyse des Motors mit ernüchterndem Resultat entschied sich das Team des E46 für die Aufgabe des Rennens, um größere Schäden am Antrieb zu vermeiden.

Nach einer Stunde Fahrtzeit sahen sich Martin Baumgartner und Paul Waser im BMW M3 E36 bereits als 24. auf den Zeitenmonitoren in den Boxen, die Anfangsphase mit Startfahrer Bruno Baumgartner verlief ideal. Bis es in Runde 9 zu einer Kollision mit einem Kontrahenten kam. Dabei wurde die Front beschädigt und ein Boxenstopp notwendig, der in Runde 10 erfolgte. Zu diesem Zeitpunkt war das schnelle Trio auf Gesamtposition 19! Nach 10 Minuten Reparaturpause, die auch für den ersten planmäßigen Fahrerwechsel genutzt wurde, konnte das Rennen wieder aufgenommen werden.
Direkt in der nächsten Runde kam es zu einer weiteren Kollision, diesmal mit einem Werks-BMW im sehr schnellen Bereich des Schwedenkreuz. Der Tischner BMW verließ unfreiwillig die Strecke. Der anschließende Einschlag in den Reifenstapel beschädigte die Beifahrerseite, Spurstange und Querlenker so stark, dass an eine Weiterfahrt nicht zu denken war. Die Tischner Mechaniker rückten sofort aus und reparierten den havarierten BMW M3 E36 vor Ort und Stelle. Die Reparatur warf das gebeutelte Team um 1 Stunde zurück. In langsamer Fahrt wurde die Box angesteuert und dort restliche Instandsetzungsarbeiten geleistet. Unter dem Strich kostete die Kollision gut 1,5 Stunden. Als 190. nahmen die Swiss Fighter das Rennen wieder auf und arbeiteten sich sukzessive wieder nach vorne: in der achten Rennstunde waren sie auf Platz 150.
Die Nacht verlief weitestgehend ruhig, bis auf einen Aha Effekt der besonderen Art, den Martin Baumgartner ereilte: auf der Grand Prix Strecke fiel beim Einschalten eines Zusatzscheinwerfers die komplette Lichtanlage aus! Das Fahrzeug wurde in eine Rettungsstraße geschleppt und dort lokalisierte man den Fehlerherd: die defekte Sicherung wurde erneuert und die Fahrt konnte wieder aufgenommen werden.
Die Aufholjagd ging weiter und spülte das emsige Schweizer Trio nach 14 Stunden wieder in die Top100, nach 16,5 Stunden waren sie sogar wieder 69. im Gesamt!
Jedoch schlug der BMW am frühen Sonntagmorgen abermals mit der Beifahrerseite heftig in die Reifenstapel ein, diesmal ohne Fremdeinwirkung. Der mobile Tischner Mechanikertrupp rückte zur Unfallstelle aus, Streckenabschnitt Hatzenbach. Neben Spurstange und Querlenker gab es sogar Beschädigungen an einer Bremsscheibe. Die hinteren Querlenker wurden anschließend in den Boxen erneuert - die Transportkapazität des Rollers, mit dem die Mechaniker zum havarierten Tischner BMW fuhren, war erschöpft. Da der Frontspoiler irreparabel beschädigt war, entfernte man kurzer Hand auch den Heckspoiler. Die Standzeit betrug ca. 1 Stunde und man fiel bis auf Position 130 zurück.
"Unser Motto heißt nicht aufgeben und auf jeden Fall ankommen, alleine schon für die tollen Fans", war sich das gesamte Tischner Team einig.
2 Stunden vor Rennende fuhr der stark havarierte BMW M3 E36 wieder an Position 115.

Nach 24 Stunden mit all seinen Problemen erzielte der Schweizer D-Zug immerhin noch den respektablen 102. Platz (Platz 9 in der Klasse A5), umrundete dabei insgesamt 104 mal die grüne Hölle und sah neben 154 anderen Teams das berühmte schwarz weiß karierte Tuch. Unter tobenden Applaus der Fans, die ausnahmslos jedes ins Ziel kommende Fahrzeug bejubelten, rollte der Tischner BMW schließlich über die Ziellinie.
"Es war ein unvergessliches Wochenende, neben der Zielankunft war sicherlich die herausragende Arbeit der Mechanikercrew ein absolutes Highlight in diesem Rennen", wussten die Schweizer Piloten zu berichten.

Wenn all die Zwischenfälle nicht gewesen wären, hätte es durchaus für eine Top20 Position reichen können. Aber "hätte", "wenn" und "aber" gibt es nun mal nicht im Motorsport und jedes 24 Std. Rennen hat seine eigenen Gesetze.

An die Fans gerichtet war sich im Tischner Team jeder einig: "Wir kommen nächstes Jahr wieder, keine Frage!"

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